Was Migräne mit Ernährung zu tun hat

Migräne gilt als eine Erkrankung, die verschiedene Ursachen haben und durch verschiedene Trigger ausgelöst werden kann. Etwa 10 Prozent der Bevölkerung leiden darunter. Während vor der Pubertät die Verteilung zwischen den Geschlechtern in etwa gleich ist, sind danach Frauen dreimal so häufig betroffen wie Männer.

Anzeichen einer Migräne

Die Symptome machen sich durch einen periodisch wiederkehrenden pulsierenden Kopfschmerz bemerkbar. Dieser betrifft bei Erwachsenen immer eine bestimmte Kopfseite (Hemikranie). Die Schmerzen verstärken sich bei körperlicher Aktivität. Zusätzlich treten begleitend Übelkeit, Erbrechen und/oder Geräusch-, Licht- und Geruchsempfindlichkeit auf. Der Schmerz kann dabei zwischen wenigen Stunden und mehreren Tagen anhalten.

In einigen Fällen ist ein Migräneanfall von einer Aura begleitet. Bei den Betroffenen kommt es zusätzlich zu Sehstörungen und Gesichtsausfällen oder zur Wahrnehmung von Lichtblitzen, bunten Linien oder Flimmern und zu Sprachstörungen sowie einem Kribbel- und Taubheitsgefühl. Eine Aura tritt jedoch nur bei etwa 15 bis 20 Prozent der Migränepatienten auf.

Ursachen der Migräne

Genetische Ursachen:

Zurzeit werden verschiedene Ursachen diskutiert, die Migräneanfälle begünstigen oder auslösen können. Ein Aspekt sind genetische Ursachen. Genomweite Assoziationsstudien zeigen, dass bestimmte Genvarianten bei betroffenen Personen gehäuft vorkommen. Darunter auch ein Gen, dessen Genprodukt die Synthese des Glutamat-Transporters reguliert. Dies passt zur Hypothese, dass eine verringerte Glutamat-Freisetzung oder eine reduzierte Glutamat-Aufnahme das Migränerisiko erhöhen.

Entzündungsmediatoren:

Aber auch andere Botenstoffe im Gehirn sind an einem Migräneanfall beteiligt: Neurokinin A (NKA), Substanz P (SP) und Calcitonin-Gene-Related Peptide (CGRP). Das genaue Zusammenspiel ist nicht bekannt. Da es sich jedoch bei den Substanzen um Entzündungsmediatoren handelt, wird auch eine neurogene Entzündungsreaktion mit einer Aktivierung von Mastzellen als Ursache des Kopfschmerzes diskutiert.

Serotoninhaushalt:

Ebenso wurde nachgewiesen, dass während einer Migräneattacke mehr Serotonin im Blutkreislauf der Patienten zu finden ist. Dieses wirkt hemmend auf den Raphe-Kern im Gehirn und hemmt somit auch das Brechzentrum und die Erweiterung der Blutgefäße im Gehirn. Offensichtlich reicht dieser Regulationsmechanismus vom Körper bei Migränepatienten nicht aus. Wird Serotonin während der Migräneanfalls gespritzt oder bestimmte Serotonin-Agonisten eingenommen, wird der Kopfschmerz dadurch reduziert. Gleichzeitig existiert ein anderer Serotoninpool im Gehirn, dieses wirkt nicht auf den Raphe-Kern ein, sondern wirkt direkt stimulierend auf das Brechzentrum und führt zu einer Erweiterung der Blutgefäße. Hier helfen Migränepatienten spezielle Gegenspieler des Serotonins, sogenannte Serotonin-Antagonisten, um Kopfschmerz und Übelkeit einzudämmen.

Hormone:

Eine ebenso starke Gewichtung zeigen Geschlechtshormone auf die Entstehung eines Migräneanfalls. Damit lässt sich erklären, warum Frauen nach der Pubertät dreimal häufiger von Migräne betroffen sind als Männer. Allerdings können auch Hormonpräparate wie die Pille das Risiko eines Migräneanfalls erhöhen, vor allem in der siebentägigen Einnahmepause. Personen, die bereits einen Migräneanfall hatten, wird daher in der Packungsbeilage nahegelegt die Pille nicht einzunehmen. Da bekannt ist, dass Östrogene den Blutspiegel des Serotonins beeinflussen können, wird darüber der Wirkmechanismus der Hormone vermutet.

Trigger-Faktoren erkennen und vermeiden

Die betroffenen Botenstoffe lassen sich jedoch auch durch äußere Gegebenheiten beeinflussen. Um die persönlichen Trigger zu erkennen empfiehlt sich daher das Führen eines Migräne-Tagebuchs. Darin wird notiert, wann die Kopfschmerzen auftreten, die Dauer und eventuelle Besonderheiten. Außerdem wird notiert, ob es vorher irgendwelche besonderen Ereignisse gab und welche Getränke und Speisen (und eventuell Medikamente) konsumiert wurden. Wird so ein Tagebuch über einen längeren Zeitraum geführt, lassen sich häufig Muster erkennen und die individuellen Trigger identifizieren.

Häufige Migräne-Trigger sind:

  • Gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Zwischenmenschliche Konflikte
  • Starke Emotionen
  • Reizüberflutung
  • Wetterwechsel
  • Hormone / Hormonschwankungen
  • Nahrungsmittel
  • Unterzuckerung (Auslassen von Mahlzeiten)
  • Genussmittel (z.B. Nikotin oder Alkohol)
  • Medikamente (z.B. die Pille oder Nitropräparate)

Auch wenn genetische Faktoren die Prädisposition für Migräne mitbestimmen, sind es somit jede Menge äußerer Faktoren, die den einzelnen Migräneanfall auslösen können. So können etwa zwei Drittel der Migränebetroffenen einen Zusammenhang zwischen dem Konsum eines Nahrungsmittels  und dem Auftreten des Migräneanfalls beobachten.

Nahrungsmittel, die Migräne triggern

Besonders Nahrungsmittel, die Glutamat enthalten oder zu einer höheren Histamin- oder Tyraminausschüttung führen, können eine Anfallswahrscheinlichkeit erhöhen. Aber auch kohlenhydratreiche Kost zeigt einen Effekt auf das Vorkommen von Migräneattacken. Dies wird damit erklärt, dass durch die Schwankungen des Blutzuckerspiegels der Körper vermehrt zu Stressreaktionen neigt und folglich Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet werden, die ebenfalls eine Rolle bei der Entstehung von Kopfschmerzen und Übelkeit aufzeigen.

Nahrungsmittel als bekannte Migräne-Trigger:

  • Käse
  • Rotwein
  • Alkohol
  • Kaffee
  • Schokolade

Eine regelmäßige und geeignete Ernährung kann helfen Migräneattacken zu vermeiden. Dazu gibt es empfehlenswerte und weniger empfehlenswerte Lebensmittel (Quelle: ndr.de/ratgeber):

Empfehlenswerte Lebensmittel:

  • Sauerteigbrot
  • Ungezuckertes Müsli
  • Äpfel
  • Aprikosen
  • Heidelbeeren
  • Litschi
  • Mango
  • Pflaumen
  • Pfirsiche
  • Brokkoli
  • Salat
  • Karotten
  • Paprika
  • Zucchini
  • Rote Beete
  • Spargel
  • Kokosnuss
  • Kürbiskerne
  • Nüsse
  • Wasser
  • Tee
  • Fisch
  • Fleisch (außer Schweinefleisch)
  • Eigelb
  • Milch
  • Naturjoghurt
  • Junger Käse

Bedingt empfehlenswerte Lebensmittel:

  • Ananas
  • Zitrusfrüchte
  • Erdbeeren
  • Hülsenfrüchte
  • Nüsse
  • Sauerkraut
  • Pilze

Nicht empfehlenswerte Lebensmittel:

  • Weißbrot
  • Eiscreme
  • Schokolade
  • Torten
  • Erdnüsse
  • Geschälter Reis
  • Kandiertes Obst
  • Obstkonserven
  • Fischkonserven
  • Schalentiere
  • Gepökeltes oder rohes Fleisch
  • Leber
  • Eiweiß
  • Tyraminhaltige Käsesorten (Brie, Camembert, Bergkäse)
  • Milchreis
  • Fruchtjoghurt

 Ketogene Ernährung zeigt Erfolge bei Migränepatienten

Aber nicht nur das Weglassen einzelner Trigger zeigt Erfolge bei Migränepatienten. Es gibt Hinweise, dass sich eine komplette Ernährungsumstellung (auf eine kohlenhydratarme Ernährung) positiv auf Migräne auswirkt. So wird schon seit 1929 wird ein Zusammenhang zwischen Kohlenhydraten und Migräne diskutiert. Ein Studienbericht aus 2013 zeigt die Erfahrungen eines Zwillingspaares, die eine Gewichtsreduktion durch eine ketogene Diät durchgeführt haben. Die ketogene Diät wurde unter Anleitung und Beobachtung eines Ernährungsberaters und unter ärztlicher Kontrolle durchgeführt. Die Umstellung erfolgte in drei Zyklen: Eine zweiwöchige ketogene Diät gefolgt von einer zweimonatigen low-carb aber nichtketogenen Diät.

Die Zwillinge, die vor der Diät fünf bis sieben Migräneattacken pro Monat aufwiesen, hatten während der ketogenen Diätphasen keine Anfälle mehr. Während der nichtketogenen, low-carb-Phase waren die Attacken in ihrer Anzahl und ihrer Schwere reduziert. Ein ähnlicher Effekt konnte in einer italienischen Patientengruppe beobachtet werden. Bei 90 Prozent der 52 Patienten, die mit ketogener Diät behandelt wurden, zeigte sich ein positiver Effekt.

Migräne lässt sich somit in den meisten Fällen durch eine Veränderung in der Ernährung gut behandeln. Dennoch sollten auch andere Faktoren, wie Stress oder ein geregelter Tagesablauf, ausreichend Berücksichtigung finden.

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